Urkundlich 1231 erstmals erwähnt, ist Blochingen jedoch erheblich 
früheren Ursprungs.
Grabfunde im Ort, wie das Griffzungenschwert und Urnengräberbeigaben 
belegen eine Besiedlung schon zum Ende der Bronzezeit 1200 - 800 v.Chr. 
durch die Kelten. 
Bis in das Jahr 1282 unterstand Blochingen der Nellenburger Linie des 
Hauses Veringen. Graf Mangold von Nellenburg verkaufte diesen Anteil 
mit dem Gebiet um Hohentengen (Grafschaft Diengowe und Ergowe) und 
die Dörfer Tengen, Blochingen und die Burg Friedberg im Jahre 1282 für 
1490 Mark Silber an den König Rudolf von Habsburg. 
Später war der Ort Bestandteil der Herrschaft Scheer und mit dieser seit 
1452/54 bei den Truchsessen von Waldburg. Mit Friedberg - Scheer wurde 
Blochingen 1786 an die Fürsten von Thurn und Taxis verkauft und kam 
erst 1806 als folge der napoleonischen Kriege durch den Pressburger 
Frieden unter württembergische Staatshoheit. 
 1806-1849 (mit Unterbrechung) fürstl. Patrimonial -Ober-
 vogteiamt bzw. AMT Scheer.
 Seit dem 1.1.1975 gehört Blochingen dem Gemeide- 
 verwaltungsverband Mengen an, nachdem es 1938 
 Gemeinde geworden war. 
 1275 als Pfarrei erwähnt, ab 1497 mit Kaplanei , 
 war Blochingen später Filiale von Mengen-Ennetach, 
 danach wieder selbständige Pfarrei mit Pelagius-Kirche, 
 deren heutiger Bau aus dem Jahre 1820 stammt.


 Die Blochinger Sintflut
Die Sintflut war für Blochingen wohl die schrecklichste Naturkatastrophe
deren Begebenheit uns schriftlich überliefert ist. Vermutlich war es die
schlimmste in unserer Region überhaupt. Sie ist von Generation zu
Generation überliefert worden und noch heute in uns Blochingern tief
verwurzelt. Die beschriebenen Gebäude und Familien existieren zum
größten Teil heute noch.
Die Gedenkstätte wird gepflegt und die Erinnerung aufrecht erhalten.

Ott, Ortsvorsteher



Nach Quellen bearbeitet von Josef Laub, Stadtschultheissin Mengen
von 1882 bis 1911.

 

 

Die nach Mosaischem Bericht zur Zeit Noahs von Gott zur
Vernichtung der sündigen Menschheit verhängte Ueberschwemmung 
der ganzen Erde ist es nicht, was hier beschrieben wird, sondern nur
die auf einen winzigen Fleck oberschwäbischer Erde beschränkte
Ueberflutung im freundlichen, am Flusse der Alb liegenden Pfarrdorf
Blochingen, unfern Mengen.
Es sind bald 100 Jahre her, dass dieser Ort, einer seltsamen
Ursache wegen, von diesem folgenschweren Ereignis betroffen wurde.
Noch jetzt wird es von den Dorfbewohnern gemeiniglich "Sintflut"
bezeichnet. Dieser Benennung dürfte die Berechtigung wohl nicht
abzusprechen sein, wird ja das Wort "Sintflut" nicht von Sünde,
sondern von dem altdeutschen "Sintfluot" - große Flut - abgeleitet.

Das Donautal stand im Blütenschmuck. Im Wetterwinkel bei
Scheer, über der stark bewaldeten Alb, hatte es am 21. Mai des
Jahres 1816, nachmittags um die Vesperzeit etwas zusammengebraut,
was nichts Gutes ahnen liess. Ein wolkenbruchartiger Regen ging 
nieder.

Während das Gewitter schon einige Zeit tobte, sass unter den
Gästen der Fuchswirtschaft im nahen Städtischen Mengen auch
Willibald Bosch, der junge Dorfmetzger von Blochingen. Dieser kam
geschäftlich oft nach Mengen; heute hatte er seinen Gaul dahin auf
die Beschälplatte gebracht.
Willibald lebte in glücklicher Ehe mit der Tochter der
Nonnenbäuerin vom Ort, der Katharina geborenen Blum, die ihm
3 Kinder geschenkt hatte, wovon nur das jüngste, ein halbjähriges
Büblein, am Leben war; er betrieb sein kleines Söldnergut und
besorgte daneben als der einzige seines Gewerbes, die
Hausschlachtungen für die Bauern.
Blochingen ist ein geschlossenes, freiliegendes Taldorf auf dem
linken Donauufer, ein alter Weinort, von Obstgärten umkränzt. Ein
kleiner Dorfbach zieht durch die Niederung in seiner Mitte; zu beiden
Seiten steigt es leicht bergan. Von kleiner Anhöhe auf dem östlichen
Teil grüsst die Pfarrkirche - früher Pfarrkapelle - zum heiligen
Pelagius.
Die Fuchswirtschaft in Mengen, ein altes, festes, fast turmartiges Gebäude, früher ein kleiner Edelsitz, bildete das südöstliche Eck, und zugleich ein Stück Ringmauer der vormals wohl befestigten Donaustadt. In der nördlichen Verlängerung der Ringmauer stand das Riedlinger Tor. Wie oft schon seit Hunderten von Jahren hat dessen Turmglöcklein die 11. Nachtstunde ins weite Tal verkündet, und hat auch hinübergeklungen zum Pfarrdorf Blochingen.
Das Gewitter war schon um 3 Uhr losgebrochen. Anfänglich fielen
kleine Schlossen, die aber wenig schadeten. Bald aber überschüttete
der Himmel die Landschaft gar jämmerlich.
Währenddem machten Gäste der Fuchswirtschaft den Willibald
aufmerksam, dass in seinem Ort, drüben in Blochingen die
Turmglocken läuten und Menschenlärm vernehmbar sei. Sonderbar !
 - Der Metzger verließ eiligst die Wirtschaft, schwang sich auf seinen
Gaul und sprengte zum Tor hinaus, der Heimat zu.
Auf der freien Landstrasse überzeugte sich der Reiter bald, dass das
Gewitter ein sehr heftiges war. Es stand wie unbeweglich über den
nahen ausgedehnten Waldrevieren der Alb. Der Menschenlärm im
Dorfe aber hielt an und drang auf Willibald immer schauriger ein.
Auf der alten eichenen Donaubrücke, nur eine Büchsenschussweite
vom Ort, nahm er mit Entsetzen wahr, dass er nicht mehr weiter
konnte. Breite schmutzige Wasserfluten, auf deren Rücken ein
Mengsel von Trümmern, Geräten, Futter, Getreide, die Segnungen
einer wohlhabenden Bauerngemeinde, dick und dünn, aus der
Niederung vom Dorfe her, der Donau zu, einher tanzten, sperrten den
Weg. Woge um Woge verlor sich im Strom. Der friedliche Dorfbach
war zum reißenden Wildbach geworden. 
Willibald erkannte sogleich, dass auch über sein Haus, das in der
Niederung am Bache lag, die Wassergefahr hereingebrochen sei. Voll
Sorge um Weib und Kind ritt er spornstreichs zurück und schlug den
Weg über die Felder auf dem rechten Donauufer aufwärts bis Scheer
ein, um über die dortige Brücke zu setzen und auf der jenseitigen
erhöhten Strasse dem Heimatort zuzueilen.
Hinter Blochingen, in einem erhöhten Kessel des Albgebietes,
umschlossen von dichten Waldungen liegt das stille Pfarrdorf
Heudorf, auch Mengisch-Heudorf genannt, da der Spital Mengen
Lehens- und Gefällherr war. In einer lauschigen, eine Strecke weit
von Blätterwald umzäunten Talrinne, dem Heudorfer Tälchen,
gelangt man in einer starke halben Stunde zu Fuß dahin. Nahe beim
Dorf unterwegs fällt dem Wanderer ein mächtiger Erdwall auf, der
sich quer über das Tälchen zieht. Dieser bildete vormals das untere
Wuhr eines weiten, tiefen und fischreichen Stauweihers. Oberhalb,
dem Dorfe zu, stieß durch einen kleinen Damm getrennt ein kleiner
Stauweiher an. Ein Bächlein, die sogenannte Mausgeiß, speiste  von
der Flur und dem Dorfe und ein Seitenbächlein vom Walde her die
beiden Weiher. Aus einem Fallenstock am großen Wuhr rieselte das
Überwasser als friedlich murmelndes Bächlein im Tälchen abwärts
durch Blochingen, den dortigen Dorfbach bildend, der Donau zu.
Aus dem weiten Regengebiet waren heute die Wassergüsse des
Gewitters den  Weihern zugeströmt. Der vom Winter her noch
gefeuchtete Waldboden ließ sie auf seinem Rücken flott dahin
schießen. Dazu schlug auf den hoch schwellenden Weiherspiegeln
der niederprasselnde Regen Generalmarsch. Bald zeigte sich aber
die Tücke des Elements.
Zunächst riss der obere Weiher rückwärts aus und seine und des
Dorfbaches hochfahrenden Wellen bedrängten das Dorf. Dann aber
überkam den großen Weiher eine böse Wanderlust. Beim Fallenstock
brach das Wuhr und aus ihm wälzte sich als wäre ein weites Tor
aufgesprungen schauerlich brüllend ein Wildstrom und hielt tosend,
zischend und schäumend und alles von Grund aus mit sich reißend
seinen Siegeszug in der abschüssigen Talrinne durch den Blätterwald,
durch Gebüsche, Gräser und Saaten dem Dorfe Blochingen zu.
Während des Gewittertobens war auch eine alte Dorfbewohnerin
von Blochingen, die alte Brennerin, zu ihrem Häuslein am oberen
Dorfbach geeilt, um ihre Hühnerbrut zu bergen. Da sah sie mit
Entsetzen ein schreckliches Ungetüm wie eine wild aufgewühlte
Schafherde mit Brüllen und Brausen durch das Heudorfer Tälchen
heranwogen. Die Sinne der Alten sind schier betäubt. Sie glaubt, der
jüngste Tag sei angebrochen und rennt mit gar wunderlichen Gesten
und Lauten in das Dorf hinein, wo die Leute sich fragen: "Was hat die
närrische Brennerin da?" Bevor sie aber ihr Häuslein verließ wandte
sie sich nochmals zu ihren Schützlingen und kreischte ihnen zu:
"Bhügott Hennele, euch seh ich nimmer mehr!"
Der Schreckensruf der Brennerin war bald aufgeklärt. Über Weg
und Steg, durch Gartenhäger und Obstgärten, Hofraiten, Misthaufen,
Holzbeugen brach das Ungetüm, ein mächtiger Wasserschwall, herein
ins Dorf und begann grausam zu pochen, zu bohren und zu reißen an
Türen und Toren. An Fenstern, Ritzen und Spalten der Bauernhäuser,
darin die Familien ahnungslos schalteten. "Um Gotteswillen, was
kommt da! Hinaus! Hinaus!" dröhnt es durchs Dorf. Kopflos
entrinnen manche, die ihrigen mit sich reißend der Zerstörungsbahn
der gefräßigen Flut, allen aber gelang es nicht.
Ein wirres Laufen und Rennen hub an. In 100 Sprachen und Lauten
durchstürmten die Wellen die Niederung des Ortes, warfen alles vor
sich her führten Buschwerk, Rasenballen, Zaunstücke Getier und
Unrat mit sich. Lebende Feldhasen schwammen oben her. Rinder
brüllten drein. Die Leute erkannten, der Heudorfer Weiher war
ausgebrochen.
Vor den Augen der Dorfbewohner entrollten sich nun gar seltsame
Bilder der Zerstörung und Gefahr. Schöpfe, Hütten, kleine Ställe
begannen unter dem Anprall des endlosen Schwalls sich zu drehen, zu
krachen und wurden fortgerissen. Die Wasser stürzten und stockten
immer mehr. Eine bange Sorge um die großen Häuser stieg auf.
Die junge Bäuerin Franziska Bengel, des Dorfmetzgers Schwester,
wurde in der Wohnstube von dem ungebetenen Gast überrascht und
entfloh mit leeren Händen zur Haustüre hinaus. Ihr Säugling lag im
Kissen auf dem Stubentisch. Den Versuch , das Kind zu holen, konnte
sie nicht mehr wagen. Ihr Nachbar, des "Bauern Kaspar", holte es zu
Pferd, der Tisch mit dem Kind schwamm schon in der Stube herum.
Ein junger Bursche, Wiedmann, schiffte sich in einem Backtroge
ein; in grolliger Fahrt auf dem gefahrvollen Gewell gaukelte er durch
das Dorf hinunter. Zum Glück faßte er am Dorfende das Gezweige
eines Baumes und konnte sich retten.
   Ein Schauder durchzog das Dorf. Schon hatte das Bauernhaus des
Schreiners Wiedmann begonnen  zu ächzen und zu wanken, da wurde
es plötzlich - oh jammervoller Augenblick - wie mit riesen Armen
gedreht und samt Weib und Kind, dem neunjährigen Pelage, dem
Laufbuben Willibalds fortgerissen. Eben war der Junge in dem
Elternhaus. In hadernden Wellen und wirren Trümmern, vom Wasser
bis zum Halse umgurgelt, schossen die Dreie an Holzstücke
geklammert stöhnend das Dorf hinunter, die Walburg, das Weib,
voraus. Mit aufgelösten, in das Gesicht getriebenen Haaren und
aufgeblähten Kleidern glich diese, der Spielball einer mächtigen
Welle, einer grauenhaften Missgestalt.
   Mit wehmütiger Teilnahme sahen die Dorfleute die um ihr Leben
kämpfenden im Strome sich heben und senken und konnten nicht
helfen. "Jetzt kommen sie nicht mehr" hieß es und doch tauchten sie
wieder auf. Ein Wunder, dass sie von den Trümmern nicht erschlagen
wurden. Für das Weib war es ein Glück, dass sich die Fluten im
unteren Dorf verflachten; sie lenkte ihr Holzstück seitwärts und
ergriff den Zweig eines Gartenhags; dann fasste sie Boden und
torkelte toderschöpft den Hag entlang heraus aus der eisigen Flut.
   Und ihr Mann, der Schreiner? Auch diesen hatten die Wogen in das
Unterdorf gegen das letzte, das Rapp`sche Haus getrieben, wo der
Haussohn Raimund eben zum oberen Fensterstock herausschaute.
"Bhügott Raimund!" rief der Gefährdete da hinauf, blieb aber im
gleichen Augenblick am Gartenzaun des Hauses hängen und hielt sich
fest. Das Wasser reichte an der Vorderseite dieses Hauses fast bis zum
oberen Stock, an der Hinterseite aber stieß es an das Dach. Auch der
Schreiner hatte Glück. Die Hausbewohner warfen ihm ein Seil zu und
an diesem zogen sie den Triefenden zum oberen Fensterstock hinein.
Den kleinen Pelage aber sah niemand  mehr.
   Ein weiteres Zerstörungsbild. Auch am Bauernhaus des Chirurgen
Sebastian Vollmer hatte der häuserbrechende Strom die Grundmauer
nicht vergeblich bestürmt. Da die Fluten die unteren Räume füllten,
flüchteten die Eheleute mit dem kleinen Kind nach oben. Das Haus
stand in höchster Gefahr. Den Dorfleuten blieb das Schicksal der
Familie zunächst verborgen und diese wurde  mitleidvoll angerufen.
Das Tosen des Wassers erstickte aber jeden mündlichen Verkehr. Die
Hausbewohner zogen Dachplatten heraus und gaben durch
Hervorstrecken der Arme Zeichen, dass sie noch da seien. Zuletzt
aber verließen sie das wankende Haus und krochen auf einen
hölzernen Anbau daneben, der kaum größer als eine Predigerkanzel
doch sicherer schien. Das Kind war der Mutter auf den Rücken
gebunden. Gleich darauf senkte sich knapp an der Seite der
Flüchtlinge langsam das Haus mit dumpfem Krachen. Ein
durchdringender Aufschrei der vielen Zuschauer - und die Trümmer
wurden fortgewirbelt. In totenschwerem Bangen kauerte die Familie
auf dem Stückchen Holz. In wirrer Begleitschaft der Haustrümmer
und des Hausrates war auch die frisch aufgebettete altväterische
Kinderwiege der Familie mit der weißen Hauskatze, die das Kind zu
sich in die Wiege zu nehmen pflegte, von dannen gezogen. Durch einen
Satz hatte sich der Kater aus der drohenden Nässe in die Wiege
geflüchtet.
   Willibald war während dieser Zeit von der Scheerer Strasse her im
Dorfe angekommen.  Und was sieht er da? Auch sein Haus erzittert
und ist dem Einsturz nahe, daraus sein Weib und das Kindermädchen
flehentlich die Arme ringen. Willibald ist wie verdreht. Die Bauern
hatten vom sicheren Erdboden aus das Metzgerhaus durch Stange
und Leine verbunden. An ersterer sollte die Metzgerin herabgleiten
und die Leine sollte sie sich um den Leib binden. Das Weib aber hatte
bisher gezaudert, sich der Stange anzuvertrauen. Unwirsch, aus
schmerzerfüllter Seele überschüttet Willibald sein Weib mit Vorwürfen.
 Jetzt ist sie bereit. Das Kind wurde ihr von dem Mädchen
auf den Rücken gebunden. Diese gleitet ihr auf der Stange voran.
Schon war auch die Metzgerin halbwegs, da dreht sich - oh weh, oh
weh! - das Haus; die Grundmauern fielen in Stücke und mit
wuchtigem Klatsche tauchte des Hausgiebels Schwere vor dem
erstarrten Blicke Willibald, vor den umflorten Blicken des
aufschreienden Dorfvolkes, Mutter und Kind und die Hüterin
des Kindes, in den hochspritzenden Schwall. Rasch hatte die
Metzgerin noch den Blick zum stürzenden Ungetümgewandt. Die
Unglücklichen wurden im schmutzigen Trümmergewirr fortgerissen;
die Fluten sangen ihr Sterbelied.
   Das Schicksal der gänzlichen Zerstörung widerfuhr noch 5 weiteren
Bauernhäuser. Sie wurden alle vom Wasserstrome weggefegt. Am
Bergrand im Dorfe waltete der Ortspfarrer Gärtner seines Amtes
und erteilte, sobald wieder ein Wohnhaus versank, den gefährdeten
Bewohnern die Absolution. Acht weitere Gebäude wurden erheblich
eschädigt. Zum Glück war fast alles Hornvieh auf der Waldweide im
Eichert, nahe beim Heudorfer Tälchen; aber auch Großvieh wurde,
tot und lebendig, in das Dorf hereingeschwemmt.
   In das Bauernhaus des Gabelmachers Deutsch, des zweituntersten
im Dorf (Heute Josef Reck, alt), keuchten von der Weide her in den
reißenden Fluten 2 Ochsen des Hausbesitzers und drangen durch den
Hausflur in die Küche ein, darin das Wasser mächtig staute. Den
Tieren ging es bis zum Hals; sie stiegen mit den Vorderfüssen aus den
Herd und schnupperten mit hocherhobenem Kopf in das Kamin
hinauf. Im tiefen Wasser, bei den ungeschlachten Kerlen, sucht der
herzhafteHausbesitzer mit den Knien eine Riegelwand hinauszustoßen.
Das fast Übermenschliche gelang. Das Wasser konnte abfließen und
die 2 Tiere wurden mit Seilen auf das Trockene gezogen. In zäher
opferwilliger Handarbeit entrissen und bargen die Bauern so manch
Hab und Gut.
   In diesen Gewitterstunden hatten auch Leute vom Pfarrdorf
Hundersingen, eine Wegstunde unterhalb Blochingen, verwundert
das Gewimmel von Trümmern und Geräten auf der nahen trüben
Donau erspäht. Da oben musste ein schweres Unglück vorgefallen
sein. Der Anblick einer Gaukelnden Wiege aber hatte der "Holländerin",
einem jungen schwarzen Weib vom Dorf einen Jähen Schrecken
eingejagt. Plötzlich rief sie aus: "Jesses, da kommt ja unsere
Kinderwiege", und ihr bangte, es liege ein Kind darin. Das
Weib war die im Dorfe verheiratete Tochter des Chirurgen Vollmer
in Blochingen. Sie hatte früher in Holland geweilt und deswegen
Holländerin genannt. Es war die ihr wohl bekannte Wieg des
Elternhauses, in der sie selbst einst die Tage der Kindheit verträumt,
die auf der Donau einhertrieb. Das Möbel wurde geländet. Wo das
Unglück gehaust hatte, war jetzt klar. Das Bettchen war menschenleer,
aber ein schimmerndes Katerfell sah man daraus einen Luftsprung
machen. Nach der seltsamen Wasserfahrt hatte die der Holländerin
auch wohl bekannte Hauskatze des Elternhauses wieder sicheren
Boden unter ihren Pfoten.
   Der Menschenlärm in Blochingen hatte aufgehört, das 
Wasserrauschen aber dauerte fort. Vier Stunden lang, bis abends
7 Uhr hatte der Gewitterregen angehalten. Vom Gebäude am Bach
aber kündigte kein Hahnenschrei mehr das Grauen des Tages. In das
schöne Dorfbild hatte es eine wüste Lücke gerissen.
   Das Schicksal der Metzgerin mit den Ihrigen und der Familie
Vollmer auf dem Känzelchen bildete Sorge des ganzen Dorfes.
Niemand konnte helfen, niemand wußte Rat. Umtost von den
trügerischen Wellen, fast nackt und bloß mußte diese Familie eine
qualvolle Nacht auf dem Holz verbringen. Sie hatte Haus und Herd
mit allem Hausrat eingebüßt.
   Zu den Bewohnern im Unterdorf aber drang in der Nacht von den
Donauwiesen her, vom Wassertosen halb erstickt, ein leises Wimmern.
Dort fand man den Leichnam des kleinen Pelage im Schlamm gebettet
auf. Der arme Knabe war wohlerfroren.
   Ruhelos dauerte der Wasserlauf mehrere Tage. Sturzbächlein
flüsterten zuletzt. Das Dorfvolk auf beiden Höhen war voneinander
abgeschnitten. Ein Täufling des Ortes wurde deswegen in der Kirche
nach Heudorf gebracht. Wie Minengräber hatten die Fluten im Dorfe
gewühlt. Bodenrisse, so tief und weit, dass ein Häuschen darin Platz
gefunden, Ruinen und Trümmer sperrten den Weg. Geröll, Schutt
und Schlamm bedeckten das Feld. Der Ackerboden war abgeflösst.
Die Brücke beim Gemeindesteinbruch war zerstört. Mit Schaudern
ritten und wateten die Bauern im Gelände umher, nach den Verlusten
zu fahnden. Auch die alte Brennerin sah ihre Kücklein nimmer mehr.
   Das Weidevieh aber, die nützlichen Milchspenderinnen, hat man
erst nach Beseitigung jeder Gefahr Wieder in das Dorf hereingelassen.
Sieben Stück Großvieh kamen in den Fluten um. Das war ein böser
Maitag und Merktag!
   Das Wasser hatte auch in Heudorf an Häusern und Gütern
bedeutend geschadet. Das Hirtenhäuschen war fast gänzlich
weggeschwemmt; 3 weitere Häuser waren dem Einsturz nahe; auch
Schweineställe waren fortgerissen. Das Reischach´sche Schloss auf
dem Felsenfuß im Oberdorf  aber stürzte bald darauf an einem
Sonntag, während in der Kirche die Vesper erklang, zum größten Teil
ein und wurde später (1825) gänzlich abgetragen.
   Willibald war auf der Suche nach dem geliebten Weib tagelang auf
den Wiesen herumgeritten. Die Wellen hatten das Strohdach seines
Hauses in die Krautgärten getragen. Fast unversehrt ragte es dort
wie eine Feldhütte aus dem Wasser hervor. Die Mutter der Metzgerin,
die alte Nonnenbäuerin, betete in kummervoller Muttersorge
allabendlich bei angebrannter Kerze inbrünstig um ihre Tochter und
offenbarte, sie sei nicht im Stande, das Wachslichtlein zu löschen. In
ihrem Gottvertrauen hielt sie das für ein Anzeichen, dass man die
Tochter doch noch finde. Endlich, nach neun Tagen, stieß man
draußen über dem Dorf am Mengener Sträßchen auf die Leichname
der Metzgerin und ihres Kindes; Wenige Schritte davon auf die des
Kindsmädchens, alle in Schutt und Schlamm vergraben. Das Wasser
hatte sie bis dahin gespült. Etwas Befreiendes, Erlösendes lag jetzt
über dem ganzen Dorfe. Im frommen Geleit der Dorfbewohner
wurden die Leichname von dem Pfarrer abgeholt und im Schatten
der alten Pfarrkapelle begraben, das Weib erst 23 Jahre, die Sephe,
das Kindsmädchen 15 Jahre alt.
   Die Kunde von der großen Flut war bald in die große Welt
hinausgedrungen. Meilenweit kamen die Leute noch nach vier
Wochen ins Dorf, die Trümmerstätte zu sehen. Zur Wiederherstellung
der Straßen und Wege und zur Verebnung der Felder hatte das
Oberamt aus der ganzen Umgebung Hilfsleute aufgeboten. Redliche
Beihilfe leistete dabei besonders Mengen, dessen Frachtfuhrleute
wochenlang Ehrenfuhren durch Überlassung von Knechten, Pferden
und Wagen stellten.
   Ein herbes hoffen für die Obdachlosen, eine bittere Not trat ein.
Doch manche Liebesgabe floß. Der Fürst von Thurn und Taxis, der
vormalige Eigenherr des Dorfes, spendete auf seiner Durchreise durch
Mengen 300 Gulden. Das Gemüt der Unglücklichen aber klammerte
sich fortan an das Gelände am Bach als ein Stück Leben ihrer
Vorfahren. Und wieder wirbelte dort der Kaminrauch, als die
Herbstblätter fielen.
   Das Leben Willibalds war leer und kalt. Er stand allein in
zerzauster Seelenstimmung. Bald verehelichte er sich wieder und sein
zweites Weib schenkte ihm 21 Kinder. Großvaterfreuden aber blieben
ihm versagt, denn kein einziges Kind konnte er großziehen. Zeitlebens
ging ihm das Unglück nach. Wie oft klagte er noch im höheren Alter,
beim Glase Bier oder beim Schlachten in den Häusern nachdenksam
und mit weinerlicher Stimme: "Haus und Herd einbüßen, das ist
schwer; aber noch dazu vor eigenen Augen, wie ich`s erlebte, Weib
und Kind verlieren, das ist das Ärgste! Oh, wäre ich doch bälder da
gewesen!"
   Alljährlich am Jahrestag wird zur Danksagung für die Rettung der
Viehherde und zur Abwendung weiteren Unglückes für immer eine
Betstunde in der Pfarrkirche gehalten. Ein einfaches Bildstöcklein am
Wege nach Mengen kennzeichnet bis heute die Fundstätte der
unglücklichen Opfer.
   Im Dorfbild hat sich seither manches geändert. An die Stelle der
alten Pfarrkapelle ist ein schmuckes Kirchlein getreten. Die
Strohdächer der Bauernhäuser sind ausgerottet. Auch die alte
Dorflinde steht nicht mehr. Nicht mehr knacken auch die alten
Pumpbrunnen im Dorf, da 1911 eine Wasserleitung gebaut wurde.
Dabei traten manche Erinnerungsstücke der großen Flut: Holz und
Eisen, Schutt und Scherben, klirrende Ketten zutage. Der Waldteil
Buchgraben zeigt jetzt noch tiefe Risse und Gräben, die jenes Gewitter
gezogen. Unfern vom Dorf durchsaust der Eilzug das Tal.
   Das vom Bauernkaspar aber aus dem Wasser gezogene Kind gedieh
und ward der Mann der jetzt noch lebenden, weitumher an der Donau
bekannten Fischhändlerin von Blochingen, der alten Benglerin.
   Das Heudorfer Tälchen ist immer noch lauschig und still und gibt
jetzt sicheren Frieden. Lange blieb das Weiherbett verödet wie das
Nest eines Vogels, das am Boden vermodert. Dann wurde es - jetzt
Eigentum des Schlosses von Heudorf - fruchtbarer Wiesengrund,
durch den die Mausgeiss und ein Weglein schlängelt. Das alte Wuhr,
gleich einem Schutz- und Festungswall, ist fast noch ganz erhalten, an
dessen Bruchstelle von einem Eichen- und Birkenstrunk geziert.
   Möge dem Wuhr die Feldspat ferne bleiben!